
Als die Vorgängerkirche von 1562 nicht mehr ausreichend und baufällig war, beschloss der Kirchenvorstand eine Gebäudeerweiterung in der Längsachse. Insbesondere sollte mehr Platz gewonnen werden für die Abendmahlsfeiern vor den (möglicherweise drei) Flügelaltären. Außerdem wurden mehr "Weiberstände" benötigt, die sich unter den Emporen ergaben.
Nach Abbruch des Ostgiebels der alten Kirche, die vermutlich nur einen Dachreiter als Turm trug, wurde der Dresdner Stadtbaumeister, George Bähr (1666 - 1738), in die Veränderungsplanungen einbezogen. Er prägte den Umbau der Kirche durch den weithin sichtbaren barocken Turm - ungewöhnlich im Osten über dem Altarraum angeordnet - und gestaltete den hölzernen Innenausbau mit zwei dreiseitig umlaufenden Emporen. Zur besseren Belichtung vergrößerte er die Fenster spitzbogig. Den barocken Kanzelaltar bekrönte er mit einer Orgel auf einer kleinen Sängerempore. Von 1723 bis 1725 erfolgte die Ausführung des Baues unter Bähr's Leitung, der 1726 den Grundstein für die Frauenkirche in Dresden legte. Die spätgotische Westpforte mit stabüberschneidender Profilierung der Gebäude blieb, wenn auch heute innenliegend im Vorraum, erhalten.
Die (bis 1542 katholische) St. Katharinenkirche erhielt mit der neuen Innengestaltung ein protestantisches Gepräge durch den bedeutenden Baumeister, der sein Konzept mit der größten protestantischen Kirche - der Frauenkirche in Dresden - als Zentralraum verwirklichte. In der Kesselsdorfer Kirche gruppiert sich die Gemeinde in einem Mittelblock der Bankanordnung. Hinter den seitlichen Gängen gibt es ansteigende Bankreihen unter den Emporen. So versammelt sich die christliche Gemeinde um die Hauptmerkmale des Glaubens. Im Zentrum steht der Taufstein (1726 aus Sandstein gefertigt), um die Gottesdienstgemeinde an den Beginn ihres Glaubenslebens zu erinnern. Auf dem nochmals um zwei Stufen erhöhten Altarplatz findet sich die Gemeinde zum Abendmahl am Tisch des Herrn ein. Über dem Altar ist, von marmorierten Holzsäulen umsäumt, die Kanzel als Ort der Wortverkündigung angeordnet. Der barock gestaltete Aufbau wird von einer Gloriole gekrönt, die den dreieinigen Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) als Dreieck symbolisiert, das von einem Strahlenkranz zwischen Wolken mit Engelsköpfen umrahmt wird.
Die Ausmalung der im September 1725 wieder geweihten Kirche erfolgte erst 1767. Durch eine Innenrenovierung 1946/47 durch Kunstmaler Trede wurde - nach mehrfachen Veränderungen - der ursprüngliche Charakter der Raumgestaltung im Bauernbarock weitestgehend wieder erlangt.
Leider haben wir keine Vorstellung von der unter George Bähr eingebauten Orgel, da sie 1878 als total verbraucht abgebrochen und das Material verkauft wurde. Der Einbau einer Kegelladenorgel (opus 7) durch den jungen Firmengründer Hermann Eule aus Bautzen erforderte einen aufwendigen Vorbau am Westgiebel, um Orgel und Blasebalganlage aufzunehmen. Der Vorbau bekam noch 2 Treppentürme für die Emporenzugänge. Dadurch ergab sich eine innere Vorhalle und ein offener überdachter Raum vor dem Kircheneingang. Dieser bietet den Gemeindegliedern für Gespräche nach den Gottesdiensten oder Kasualien Schutz und wird gern genutzt.
Übrigens überstand das Kirchengebäude die Kriegswirren der Schlacht bei Kesselsdorf am 15. Dezember 1745 unbeschädigt. Die Kämpfe mit sehr hohen Verlusten brachten das Ende des 2. Schlesischen Krieges, mit dem Schlesien an Preußen fiel. Ein Epitaph (hölzernes Grabschild) von 1746 für den Obristen (Hauptmann) Caspar Franz von Pirch in der südlichen großen Seitenloge zeigt von den Kämpfen.
Die Kirchgemeindeglieder aus den zum Kirchspiel gehörenden Orten bemühten sich stets um die Erhaltung ihrer Gebäude:
Pf.i.R. Wolfgang Baetz